Das Phänomen Twilight

Ursprünglich war an dieser Stelle eine Film-Rezension zu „New Moon“ geplant, aber es ist weitaus interessanter, sich direkt mit dem Kosmos rund um Twilight zu beschäftigen.

Wer in den letzten 3 Jahren eine Buchhandlung oder später ein Kino betreten hat, wird wohl kaum an Twilight vorbeigekommen sein. Vampire sind wieder In, seit Stephenie Meyer die Bücher rund um die Dreiecksgeschichte von Bella, Edward und Jacob schuf. Von Mädchen geliebt, von erwachsenen Film- und Buchkritikern belächelt und vielen Jungen verachtet, haben die 5 Bücher (Bzw 4, die die direkte Saga behandeln und ein Spin-Off) und inzwischen 3 Filme einen sehr langen Rattenschwanz von Fanartikeln und Nachäffern nach sich gezogen – und ein Ende ist nicht in Sicht. Mehr Erfolg hatte wohl nur J.K. Rowling mit ihren Harry-Potter-Büchern, die jedoch nicht so sehr auf Mädchen abgestimmt waren.

Mit Sicherheit ist dies ein Riesen-Reibach für Meyer geworden. Das Erstaunliche an dieser Buchreihe ist, dass sie es geschafft hat, Keuschheit vor der Ehe und zugleich einen Hauch von Erotik unter einen Hut zu bringen. In den Filmen, in denen andauernd einer der männlichen Hauptcharaktere oben ohne herumläuft, wird dieser Gegensatz noch krasser. Allerdings gilt für Bella: Nur gucken, nicht anfassen. Erst in der Hochzeitsnacht soll es soweit sein. Diese ein wenig weltfremde Sicht auf die Sexualität von Jugendlichen beruht auf den mormonischen Glauben der Autorin.

Nichtsdestotrotz werden Jacob und Edward von jungen Frauen zwischen 14 und 25 angebetet wie zuletzt Leonardo DiCaprio in „Titanic“. Inzwischen kann man sogar auf den DVDs der Filme vor dem eigentlichen Menü auswählen, ob man das Design „Team Edward“ oder „Team Jacob“ sehen möchte. Um es den Unwissenden vorneweg zu sagen: Jacob und Edward sind der einzige Grund, um sich die Filme anzuschauen. Wenn man überhaupt Milchbubis betrachten möchte. Die kitschig-überdramatisierte Liebesgeschichte im 2. Film ist stellenweise so schleimig, dass akute Ausrutschgefahr besteht, davon abgesehen ist ein sehr dünner Faden von sehr zahmer Action eingearbeitet, der im Wesentlichen dazu dient, noch ein bisschen mehr Kitsch einzubringen, wenn Bella gerettet oder tatsächlich mal selber aktiv wird. Den ersten Film habe ich zwar nicht gesehen, kenne aber die Buchvorlage, die auch nicht viel mehr verspricht als der zweite Teil. Im Übrigen ist es auch nicht an den Schauspielern vorbeigegangen, dass 95% der Kinobesucher den Film nur wegen Edward oder Jacob sehen, weshalb Kristen Stewart nicht im Traum daran denkt, ihre Rolle mit ein wenig schauspielerischer Tiefe auszufüllen.

Abschließend möchte ich feststellen, dass ich kein Fan der strikten Teilung zwischen Trivial- und „gehobener“ Literatur in Deutschland bin. Dass Dan Brown nicht den gleichen Anspruch hat wie Günter Grass, ist logisch, aber es gibt viele „Unterhaltungsromane“, die sich durchaus tiefsinnig mit gesellschaftlichen oder politischen Problemen befassen und deshalb ein wenig zu unrecht in die gleiche Sparte wie Cecilia Ahern und Karl May gepackt werden. Die „Twilight“-Serie ist hier aber vollkommen richtig am Platz, denn jenseits der Liebesgeschichte und Vampirproblematik bieten die Romane überhaupt nichts. Vielleicht eine gute „Einstiegsdroge“, um weibliche Jugendliche wieder zum Lesen zu bekommen, für jeden, der Ansprüche an ein Buch stellt, allerdings völlig ungeeignet. Selbst die Verfilmung des zweiten Teils ist nur für die Fans der Bücher empfehlenswert, denn allen anderen wird einfach nur fürchterlich langweilig sein.

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